Neues Beratungsangebot: EUTB’s kann gehandicapten Menschen die passenden Wege aufzeigen.  

Da ist der junge Mann im Rollstuhl, den seine MS-Diagnose aus der Bahn zu werfen droht. Da suchen Angehörige nach geeigneten Hilfsmitteln für die von Geburt an geh- und sehbehinderte Tante. Da ist die Endsechzigerin mit Hüft-OP, die ihre Wohnung barrierefrei gestalten möchte. Da weiß ein Arbeitnehmer mit Depressionen nicht weiter, weil der Chef ein Kündigungsszenario an den Horizont zeichnet. Oder simpler: Der Reha-Antrag will dem Nachbarn einfach nicht von der Hand.
Ja, bestätigt Janet Meyer, das alles seien Fälle für die EUTB, „weil´s da um Menschen geht, die nur eingeschränkt am Leben teilhaben können“. Für deren Rechte gelte es einzutreten, so steht´s im Sozialgesetzbuch SGB IX.

Seit 1. Juni ist Sozialpädagogin Meyer als EUTB-Projektleitung beim Rother Inklusionsnetzwerk e.V. (RHINK) angestellt. In Vollzeit. Der ehrenamtlich agierende Verein kann sich die befristete Stelle vorerst leisten, weil er an einer Projekt-Ausschreibung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales teilgenommen hat. Die Behörde will bis 2020 jährlich 58 Millionen Euro dafür lockermachen, dass deutschlandweit EUTB´s die Arbeit aufnehmen.
Sie sollen – unabhängig von einer Trägerschaft – ergänzend zu den bereits bestehenden Beratungsangeboten wirken. Das mache Sinn, meint Meyer. Auf diese Weise würden die etablierten Anbieter nämlich entlastet. Denn eine EUTB kläre den Bedarf von Ratsuchenden vorab und lenke sie dann erst gezielt durch den Dschungel der Hilfsangebote. Kostenlos – und, wenn gewünscht, auch anonym.
Geschehen soll die Beratung „auf Augenhöhe“. Das ist ausdrückliche Vorgabe des Ministeriums. Konkret: Menschen mit Handicap beraten Menschen mit Handicap.
„Peer Counseling“ nennt sich dieses Prinzip, zumal die Berater als „Peers“, also Lotsen, fungieren. Sie helfen den Betroffenen dabei, einen individuell passenden Weg für sich zu finden. Ganz egal, ob es nun um die richtigen Anlaufstellen, das Beantragen von Leistungen oder allgemeinere Weichenstellungen geht. Der Vorteil: „Die Peers wissen nicht nur, wie sich der Betroffene fühlt, sondern auch, welche Möglichkeiten es überhaupt für ihn gibt“, fasst Meyer zusammen.

Praktisch funktionieren tut´s beim Inklusionsnetzwerk so: Janet Meyer nimmt die Anrufe der Ratsuchenden entgegen; verschafft sich Klarheit darüber, was der oder die Betroffene braucht und stellt im Bedarfsfall den Kontakt zu anderen Fachstellen oder einem „Peerlotsen“ aus dem Verein her. Einem, der checkt, wie es dem Anrufer geht, weil beide das gleiche Schicksal teilen.
Gemeinsam setze man sich schließlich bei einer Tasse Kaffee zusammen, um offene Fragen zu besprechen – wahlweise an einem neutralen Ort oder bei den Betroffenen zuhause. Denn noch ist die EUTB des Inklusionsnetzwerks e.V. auf der Suche nach einem barrierefreien Büro in Roth und Umgebung.
Doch Räumlichkeiten hin oder her. „In diesem Verein steckt soviel Know-how…“, sagt Sozialpädagogin Meyer. Immerhin würden dem Inklusionsnetzwerk e.V. 18 Lotsen angehören, die ihr Leben mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen und Erkrankungen meistern – von der Geh-, Seh- und Hörbehinderung über psychische Beeinträchtigungen bis hin zu MS, Polio, Rheuma oder Krebs. Sie alle seien „Experten in eigener Sache“ für andere, lobt Janet Meyer ihr „bombiges Team“.

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